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Evangelische Kirchengemeinde Bischofsheim

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Die Evangelische Kirche zu Bischofsheim

Der Kirchplatz - Vom Friedhof zum Ort der Begegnung

Kirchplatz
Lupe
Bis 1839 wurde der Platz vor der Kirche als Friedhof genutzt.
Seit Ende des letzten Jahrhunderts bis vor 20 Jahren befanden sich auf dem Kirchvorplatz dann die Gedenkstätten für die Toten des deutsch-französischen Kriegs 1870/ 71, des 1. und des 2. Weltkriegs:

Am 9. Juni 1895 wurde an der evangelischen Kirche, gegenüber der Einmündung der Frankfurter Straße, ein "Kriegerdenkmal" errichtet, "den tapferen Kämpfern von 1870/71 zur Ehre, den Lebenden zur Erinnerung und den kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung". Im Sockel des Denkmals fand sich eine Urkunde, in der unter anderem stand:

"Sollte einst nach langen Zeiten diese Urkunde aufgefunden werden, so hoffen wir, daß sie ein Geschlecht antreffen möge, das tüchtig zu allem Guten sei, kräftig durch Sittenreinheit, begeistert für alles Wahre und Schöne, ein Geschlecht, das allen Lug und Trug verabscheut, treu und milde ist gegen Mitmenschen, hilfsbereit gegen Unterdrückte und Schwache; ein Geschlecht, das seine Ehre darin erblickt, mit seinen Grenznachbarn zu wetteifern in allen Werken des Friedens und der Volkswohlfahrt"

Die Wünsche sollten sich nicht erfüllen. Schon 19 Jahre später brach der erste Weltkrieg aus.

Für die 110 Toten des ersten Weltkriegs errichtete die bürgerliche Gemeinde auf dem Kirchplatz eine Gedenkstätte, die am 30. Oktober 1932 eingeweiht wurde: "Den Toten zum Gedächtnis, den Lebenden ein Vermächtnis".

Die "Heilige Straße"

Kirchplatz
Lupe
Aus Steinen der geschleiften Festung Mainz wurde an der Ecke der Darmstädter Straße und der Weisenauer Gasse ein mächtiger neuer Eingang zu der "Heiligen Straße" geschaffen, die auf ein mit Kupfer beschlagenes großes Holzkreuz führt. Vor dem Kreuz biegt der Weg nach rechts senkrecht zur Kirche. 5 Male, eines für jedes Kriegsjahr, säumten den Weg, in die die Namen der gefallenen Bischofsheimer eingraviert waren. Pfarrer Heddaeus wies in seiner Weiherede darauf hin, daß hier kein Sieges sondern ein Trauermal errichtet worden sei. Der katholische Pfarrer Kirchhof betrachtete die Ehrenstätte als einen Ort ehrender, helfender und versöhnender Liebe. Der Rabbiner Dr. Merzbach-Darmstadt hob hervor, dass der Krieg namenloses Unglück über die Menschen gebracht habe. Anschließend wurde die Stätte der Obhut der Stadt Mainz übergeben.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs drohte den Ehrenmälern der vorausgegangenen Kriege die Zerstörung. Die alliierte Kontrollkommission und verschiedene deutsche Stellen hatten 1945 deren Beseitigung angeordnet. Im Juli 1946 dann wurde diese Anordnung auf die Male beschränkt, die militaristische und nationalsozialistische Tendenzen zum Ausdruck bringen. Deshalb hatte die Gemeindeverwaltung die am Kriegerdenkmal von 1870/71 angebrachten Tafeln entfernen und durch andere Inschriften ersetzen lassen. Eine davon lautet:
"Mahnung an die Lebenden: Aechtet den Krieg, Liebet den Frieden:"

Im Jahr 1955 entstand der Plan, den Toten der letzten drei Kriege ein neues Denkmal zu errichten, doch hätten dabei die beiden alten Steine beseitigt werden müssen. Das Projekt scheiterte jedoch aus finanziellen Gründen und man entschied sich für die Aufstellung eines Quarzfindlings aus dem Odenwald für die Toten des zweiten Weltkriegs. Das Ehrenmal wurde am Volkstrauertag 1959 eingeweiht.

Die Neugestaltung

Kirchplatz
Lupe
Der Kirchvorplatz wurde in diesen Jahren von der bürgerlichen Gemeinde gepflegt, ergänzt und erneuert, bis im Jahr 1978 die Gedenksteine auf den heutigen Friedhof verlegt wurden. Damit endete auch die Pflege und Wartung der restlichen Anlage seitens der bürgerlichen Gemeinde. 1986 wurde der Kirchplatz nach Plänen des Darmstädter Architekten von Thörne von der Bischofsheimer Fa. Gebr. Astheimer neu gestaltet. Die Arbeiten wurden dringend notwendig, da die Treppenstufen und Sandsteinplatten zunehmend unbegehbar wurden. Leitende Idee dabei war es, den Platz zukünftig für unterschiedliche Gelegenheiten nutzen zu können. Dazu musste die Freifläche vor der Kirche wesentlich vergrößert werden. Außerdem wurde ein behindertengerechter Zugang vom Parkplatz her geschaffen.

Die Abbrucharbeiten der alten Treppen und des nicht mehr benötigten Steinsockels übernahmen Mitglieder des Kirchenvorstandes und Pfadfinder. Dabei gab es beim Abbruch des Sockels eine Überraschung: Zwischen den gut gemauerten Steinen kam eine Messinghülse von 45 cm Länge und 12 cm Durchmesser ans Licht des Tages. Die geheimnisvolle Büchse enthielt Dokumente über die Errichtung des Ehrenmals bzw. der gesamten Gefallenengedenkstätte auf dem Kirchplatz aus dem Jahre 1932, handgeschriebenen Berichte des Heimatforscher Georg Mangold zu den Kriegsjahren 1914 bis 18 und bis zum Abzug der Franzosen 1930, 28 verschiedene Lebensmittelkarten aus dieser Zeit, französische Passierscheine von 1919, Einlasskarte zur Einweihungsfeier der Ehrengedenkstätte am 30. Oktober um 14 Uhr, Kriegsanleihe, Darlehenskassenscheine, Reichsbanknoten, sowie 10 verschieden Tageszeitungen wie z. B. "Mainzer Anzeiger", "Heimatspie- gel", "Mainz-Bischofsheimer neuste Nachrichten", "Mainz-Bischofsheimer Zeitung", außerdem eine Sonderausgabe der Mainz-Bischofsheimer Zeitung, die anläßlich der Räumung am 30 Juni 1930 unter dem Titel "Bischofsheim in schwerster Zeit" erschienen ist.

Diese Berichte und Zeitungsartikel geben einen sehr interessanten Einblick in die damalige Denkweise und Beweggründe, eine solche Gedenkstätte zu errichten. Leider befanden sich keine Pläne, Zeichnungen oder Ausführungsskizzen über die Gesamtanlage und der Ehrenmähler in ihrem ursprünglichen Zustand dabei. Auch im Archiv der Kirchengemeinde lassen sich darüber keine Unterlagen finden.

Mit Unterstützung des "Arbeitskreises Dörfliche Kultur e. V.", der sich vor allem in Oberhessen um die Bewahrung alter Kirchen und Kirchplätze bemüht, wurde ein Pflanzplan entwickelt, der zu den verschiedenen vorhandenen 20 Pflanzenarten weitere rund 60 hinzu gesellte, die jahrhundertelang ihren traditionellen Platz auf Friedhöfen, Kirchhöfen bzw. Kirchgärten hatten, und von denen einige auch mit einer sehr alten, tiefgründigen theologischen Bedeutung behaftet waren.

Dabei wurde in der Gestaltung dem barocken Stil der Kirche Rechnung getragen. So wurden alle Beete und Wege mit niedrigem Buchs eingefaßt, wie es in barocken Gärten und Parkanlagen üblich war. Den Mittelpunkt bildet ein Rondell. Neun verschiedene Harthölzer grenzen den Platz etwas gegen den Lärm der Darmstädter Straße ab. Außerdem wurden ein Duftbeet und ein Kräuterbeet angelegt.

Die Restaurierung des Brunnens

Brunnen
Lupe
Der in den Eingangsbereich der ehemaligen "Heiligen Strasse" eingelassene Brunnen zeigte starke Verfallserscheinungen. Durch eine Spende des Heimat- und Geschichtsvereins Bischofsheim, sowie Eigenmittel der Kirchengemeinde wurde er im Juni 2002 durch die Bischofsheimer Steinmetzfirma Astheimer-Mende restauriert. Die Installationsarbeiten wurden von der Firma Schäfer ausgeführt. Die Firma Reeg sorgte dafür, dass der alte Rost neu erstellt wurde.

Nach intensiver Vorplanung und Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalspflege kann nun auch wieder Wasser in das kleine, in die Mauer eingelassene Becken plätschern - wenn er nicht durch Passanten verunreinigt und verstopft wird.

Im Zuge der Arbeiten wurde auch die auf der Brunnenrückwand befindliche, von Pfr. Heddäus stammende Inschrift restauriert. Den Betrag von ca 1500,- € steuerte das Landesamt für Denkmalschutz bei:

"Heilig die Straße, die du gehst, heilig die Stätte, da du stehst, heilig das Sehnen, heilig der Tränen fließende Fülle, heilig der Wille, der still sich bezwingt, heilig das Ziel, das tröstend winkt."

Die Restaurierung der Mauer

Mauer
Lupe
Die alte Bruchsteinmauer, die den Kirchplatz zum Parkplatz begrenzt, wies starke Verfallserscheinungen auf. Hinzu kam, dass in der Vergangenheit immer wieder mit Zement und Fremdmaterial Ausbesserungen vorgenommen worden waren.

Im Sommer 2011 konnte die überfällige Sanierung durchgeführt werden. Dazu mussten der Pflanzenbewuchs, loser Mörtel und brüchiges Steinmaterial entfernt werden, entstandene Löcher verfüllt und das Mauerwerk neu verfugt werden. Abschließend erhielt die Mauer eine Abdeckung.

Im Herbst 2012 wurde auch das Beet vor dem Mauerstück unter fachkundiger Anleitung in Eigenarbeit bepflanzt. Ein regelmäßiger Gottesdienstbesucher - seines Zeichens Gartenbauarchitekt - hatte den Plan entworfen, die Pflanzen besorgt und auch mit Hand angelegt.

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