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Evangelische Kirchengemeinde Bischofsheim

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Die Evangelische Kirche zu Bischofsheim

Historisches & Histörchen

AKTUELL:

Kirchenportal

Sorgenkind Kirche

Das über 265 Jahre alte Gebäude bereitet uns wieder sorgen:

Im Außenbereich sind es vor allem der Sandsteinsockel und die Portalwangen, die deutlich Spuren von Schädigungen aufweisen. Demenstprechend drängt der Kirchenvorstand seit Jahren auf eine möglichst baldige Sanierung. Leider aber zieht die für solche Maßnahmen zuständige Baubteilung der Kirchenverwaltung nicht in dem wünschenswerten Maße mit. Jetzt aber hat die Kirchengemeinde grünes Licht zumindest für die Sanierung der Portalwangen erhalten. Die Auftragsvergabe erfolgte bereits Anfang September 2016, die Arbeiten konnten aber witterungsbedingt vor dem Winter nicht mehr ausgeführt werden. Jetzt hat der Steinmetz die Zeit nach Ostern ins Auge gefasst. mehr...

Denn inzwischen gibt es auch massive Probleme mit unserer Orgel, deren Reparatur für die Zeit nach den Sandsteinsanierungen geplant war. mehr...

Leiste

Die Vorgeschichte

Die Seitentür der Kirche
Lupe
Es ist nicht bekannt, wann Bischofsheim seine erste Kirche bekam, denn zuverlässige Quellen gibt es erst für die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Ort und Gestalt der vorreformatorischen Kirche können nur vermutet werden. Mitte der 50er Jahre stellte Dr. Gensicke vom Staatsarchiv Darmstadt fest, daß eine vermutlich im 6. oder 7. Jahrhundert, der Blütezeit der Martinsverehrung, entstandene fränkische Kirche dem Heiligen Martin geweiht war. Auch ein späterer, wohl hoch- oder spätmittelaltelicher Neubau, der an der Stelle der alten Kirche geweiht wurde, hatte den gleichen Namenspatron. Den Beweis dafür liefert die Erneuerung einer Beschreibung der Güter des Stifts St. Viktor zu Mainz aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Dort wird ein Zweitel, etwa ein halber Morgen, erwähnt, der "uff den wegk von Geraw" zieht, zwischen dem Ritter Trushard, jetzt der Kirche St. Martin in Bischofsheim, oben, und dem Gut der Pfründen von St. Viktor auf der unteren Seite.

Die älteste Urkunde, in der über die Kirche etwas mitgeteilt wird, lautet:

"Im Jar Nach Christi, unseres Lieben Hern und Sehligmachers Geburth funfzehnhundertachtzig drey, den 30 Juny, ist die Edle Ehrenreiche fraw Chatarina Wöllsin Vonn Gudenbergk, des Edlen Ehrenuesten Daniel Wilhelm Hessen zu Wichdorff, Rittmeisters etc. Ehliche Haußfraw, Nach tödlichem abgangh, Ahnhero In Unser Kirch zu Mäinbischheim , Christlicher Ordnung nach zu Erdenn Bestatt und Begraben worden, denen der Allmechtige Eyn fröliche Ufferstehung verleyen wölle. Amen."

Die mittelalterliche Dorfkirche ist vermutlich 1635 während des Dreißigjährigen Krieges abgebrannt. Der Turm und das Dach sind ganz oder teilweise zerstört worden. Größere Reparaturen an Kirche und Turm wurden wahrscheinlich schon im Jahr 1641 vorgenommen, die verbrannten Säulen im Inneren wurden "abgesägt" und "abgehauen". 1650 konnte die Gemeinde durch eine Schenkung ein neues Gestühl anschaffen, die Verpachtung einer Schafweide erlaubte es, eine Emporbühne zu bauen und einen Glockenstuhl aufzurichten. 1680 wurde "das Chor ganz neu aus dem Fundament erbauet".

Unter dem Turm der Kirche findet sich eine weitere, allerdings nur noch von außen sichtbare Tür. (Sie wurde im Rahmen der Umbauten der fünziger Jahre von Innen verschlossen, da sie als Zugang zu den Emporen durch den Anbau eines Treppenhauses hinter der Kirche nicht mehr benötigt wurde.) Während die anderen Sandsteinrahmen völlig glatt gearbeitet sind, weist dieser Rahmen Strukturen und Ornamente auf, die darauf schließen lassen können, dass er noch ein Überbleibsel der Vorgängerkirche ist.

Die Kirche wird gebaut

Portalinschrift
Lupe
Im Jahr 1740 traf die Gemeinde, Bischofsheim hatte kaum mehr als 370 Einwohner, Vorbereitungen zu einem Erweiterungsbau.

Zunächst mußte jedoch entschieden werden, wer die Baukosten zu tragen hatte. Die landgräfliche Regierung entschied, daß das St. Viktorstift das Chor, das "wegen der Vielheit der Leute" nach vorne geschoben werden sollte, wieder aufrichten sollte, außerdem das Dachwerk, die Fenster, den Fußboden, die Weißbinderarbeit, die Tür von außen in das Chor, die Steine zu der Tür in die Sakristei usw. auf seine Kosten machen lassen müsse. Was sonst zum Chor geplant war, Pfarrstuhl, Gerichtsstuhl, Nebenstuhl, Orgel und Orgelbühne, sowie die Sakristei samt der Tür fielen der Gemeinde zur Last. Bereits 1704 hatte die Gemeinde eine Orgel anschaffen wollen, doch die damaligen Pläne scheiterten vermutlich an den beschränkten Raumverhältnissen der Kirche.

Die Erweiterung, der Barockbau, wie er bis heute erhalten ist, erfolgte 1747/48 nach den Plänen Johann Conrad Lichtenbergs (1689 - 1751), die die Kreuzform des Grundrisses vorsahen. Lichtenberg war Pfarrer und Superintendet in Darmstadt und mit Katharina Henriette, der Tochter des Pfarrers Johann Peter Ekhard verheiratet, hatte also eine besondere Beziehung zu Bischofsheim. Lichtenberg lieferte aber auch die Pläne für weitere Kirchen der Region, wie etwa in Ginsheim und Trebur. Die Baukosten betrugen 4403 Gulden, 20 Albus, 5 Pfennig, den Anteil des St. Viktorstiftes nicht mitgerechnet. Die Summe wurde durch Anleihen, Sammlungen und Stiftungen aufgebracht.

Über den Kirchbau geben zwei in Stein gehauene Inschriften Auskunft, die sich auf der Süd- bzw. Nordseite der Kirche über den Eingangstüren befinden. Die auf der Südseite lautet:

VERBUM DOMINI MANET IN AETERNUM
ANNO MDCCXLVII REGNANTE LUDOVICO
VIII HASSIAE LANDGRAVIO
TEMPLUM HOC PRAETER TURIM
FUNDITUS EXSTRUCTUM EST
POSVERUNT
IN FUTURAM REI MEMORIAM
JOANNES PETRI PRAEFECTUS JUSTUS
EBERHARD HENRI PASTOR

("Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit. Im Jahr 1747 unter der Regierung Ludwig VIII., Landgraf von Hessen, ist dieses Gotteshaus mit Ausnahme des Turmes von Grund auf neu errichtet worden...")

Täglich aufgezogen!

Turmuhr
Lupe
Während der ersten Renovierung 1858 fand der Gottesdienst fünf Wochen lang in der Gemeindestube statt. Ein Jahr später reparierte man die Kirche auch außen, außerdem wurde ein silbernes Kruzifix auf dem Altar aufgestellt.

1873 wurde in den Dachreiter eine neue Turmuhr eingebaut, die auf den alten Bildern nur zur erahnen ist. Die Ausschreibung der Glöckner-Stelle vom Februar 1796 gibt einen Hinweis darauf, dass es bereits vor 1873 eine Turmuhr gegeben haben könnte. Unter den einzelnen Besoldungskriterien werden auch "Zwey Gulden und Fünfzig Sechs Kreuzer aus dem Kirchenkasten, und Zwey Gulden 45 Kr. aus der Burgermeisterei für Oel zur Uhr und Glocke" aufgeführt.

Eine im Nachlass des verstorbenen ehemaligen Kommunalpolitikers Willi Nutz gefundene "Behandlungs-Instruktion" nennt das Jahr in einer handschriftlichen Notiz auf der Rückseite. Diese Notiz bezieht sich auf Aussagen des Philipp Jakob Schilling, der Küster unserer Kirche war.
Die säuberlich geschriebene "Behandlungs-Instruktion für die neue Thurmuhr in Bischofsheim" gibt einen Einblick in die Arbeit, die mit der Uhr verbunden war:

"Die Uhr soll täglich gleichzeitig aufgezogen werden, jedoch soll dies während dem Schlagen nicht stattfinden.
Bevor das Gehwerk aufgezogen wird, muß auf dessen rechter Seite der Aufzieh-Schlüssel angesteckt, und durch eine kleine Umdrehung ein Ersatz-Gewicht eingehängt werden, damit die Uhr während dem Aufziehen fortgeht. Dann soll nur so viel Seil auf die Seilwalzen aufgewickelt werden, bis alle darauf eingedrehten Gänge voll sind. Zur leichten Beachtung könnte an den Seilen ein leicht sichtbares Zeichen, etwa durch ein rothes Bändchen angebracht werden.
Wenn die Seile zusammenlaufen oder sich verschränken, und deshalb die Gewichte nicht mehr mit der vollen Schwere wirken, dürfen dieselben nur an ihren oberen Enden, wo sie mit einem Knopfe oder auch in einem Haken aufgehängt sind, rückwärts aufgedreht werden.
Verlängern sich mit der Zeit die Seile, so daß die Gewichte nicht mehr ganz aufgezogen werden können ohne doppeltes Aufeinanderwinden der Seile, was nicht sein darf, oder daß die Gewichte zu früh am Boden aufstehen, so sind dieselben an ihrem oberen Ende so viel nachzuziehen und zu verkürzen, bis die Gewichte wieder oben anstehen, wenn die Seilgänge der Walzen alle voll sind."

Auf der Rückseite der Instruktion findet sich dies handschriftliche Notiz vom Juni 1949, die das Einbaujahr der Turmuhr festhält. Sie bezieht sich auf die Aussage von Philipp Schilling, von dem die Pfarrchronik weiß, dass er bis über sein 75. Lebensjahr hinaus das Amt des Kirchendieners mit großem Engagement wahrgenommen hat. So ist zu vermuten, dass er selbst noch mit der Wartung der 1935 abgebauten Turmuhr befasst war.

Mit dem Abbruch des alten Dachreiters 1935 verschwand auch die Turmuhr. Im Eingemeindungsvertrag mit der Stadt Mainz waren zwar für Bischofsheim diverse öffentliche Uhren vorgesehen, darunter auch eine für den neuen Kirchturm (eine entsprechende Blaupause, die den geplanten Turm mit den in Gauben angebrachten Zifferblättern zeigt, befindet sich noch im Archiv der Kommune), die Planungen wurden aber nicht realisiert.

Am 1. Januar 1861 wurden als "Neujahrsgabe" Bilder der beiden Reformatoren Luther und Melanchton in der Kirche aufgehängt, die ein paar Monate später noch durch ein Bildnis Gustav Adolfs ergänzt wurden.

Um im Winter den Zug in der Kirche in Folge schlechter Türen zu vermindern, wurde 1887 an den Haupttüren des Gotteshauses nach innen eine zweite Tür (gepoltert) errichtet, die am Weihnachtsfest in Gebrauch genommen wurde. Für Altar und Kanzelbekleidung wurden zu weiterem Gebrauch im Sommer Schutzdecken gefertigt. 1888 erhielt die Kirche einen neuen Außenanstrich.

Alles neu...

Die Kirche um 1900
Lupe
Eine umfangreiche Innen- und Außenrenovierung erfolgte nach Ostern und Konfirmation 1902. Der Turm wurde neu gedeckt und erhielt einen neuen Hahn. Das übrige Dach wurde nur umgedeckt, die Mauern bekamen einen neuen Anstrich. Die Erneuerungsarbeit im Inneren der Kirche ging nicht so rasch voran.

Die meiste Zeit beanspruchte die Wiederherstellungsarbeit der Deckengemälde. mehr...

Erst sieben Wochen nach Pfingsten konnte wieder in das Gotteshaus eigezogen werden. Während der ganzen Zeit der Wiederherstellung der Kirche wurde der Gottesdienst in dem der Gemeinde von Bürgermeister Wiesenecker freundlicherweise zur Verfügung gestellten großen Saal seiner Wirtschaft abgehalten. Die Kosten, für die Gemeinde und Fiskus aufzukommen hatten, betrugen 5.000 Mark. Nicht eingerechnet ist hierbei die Summe, die die Erneuerung der Gemälde benötigte. Diese, 1.450 Mark, bezahlte die Kirche, obwohl sie nicht die Baulast hatte. Gegen Ende des Jahres 1909 bekam die Kirche eine elektrische Beleuchtungsanlage.

Schwierige Zeiten

Die Kirche um 1930
Lupe
Im Jahr 1929 wurde von der Firma Esch, Mannheim, eine Luftheizung eingebaut.

Am 1. Januar 1930 erfolgte die Eingemeindung von Bischofsheim nach Mainz. Damit ging auch zwangsläufig die Unterhaltspflicht von Schiff und Turm auf die Stadt Mainz über.

1935 erfolgte eine weitere umfangreiche Renovierung. Der alte Turm, der nichts weiter war als ein besserer Dachreiter, wurde abgebrochen. Er sollte durch einen neuen Turm, der eine andere Aufhängung der Glocken ermöglichte, ersetzt werden, ebenso der alte Glockenstuhl durch eine Eisenkonstruktion mit elektrischer Läutemaschine. Dazu sollte ein neues Gestühl, neue Beleuchtungskörper und vieles mehr angeschafft werden. Die Wiederherstellung sollte das Innere und Äußere in gleicher Weise umfassen. Nach dem Kostenvoranschlag beliefen sich die Kosten auf 12.700 Reichsmark, von denen die Stadt Mainz 9.532,50 Reichsmark und die evangelische Kirchengemeinde 3.177,50 Reichsmark bezahlen sollte. Da die Stadt Mainz nicht genug Geld hatte, mußte die Kirchengemeinde allerdings einen weit größeren Teil der Summe aufbringen.

Bei den Instandsetzungsarbeiten stellte sich heraus, daß die Kirche in einem weit baufälligeren Zustand war, als bei der Voruntersuchung festgestellt wurde. Die Giebelwand an der Westseite mußte, weil ganz schief, abgetragen und neu aufgerichtet werden. Die Balken im Turm und die bis ins Schiff gehenden Balken waren morsch und unbrauchbar. Ebenso mußte die ganze Kirche neu gedeckt werden.

Die Instandsetzungskosten betrugen letztlich 18.977,50 Reichsmark. Die Gemeinde mußte, da die freiwilligen Gaben längst nicht ausreichten, ein Darlehen von 10.000 Reichsmark aufnehmen. Für den ursprünglich geplanten neuen Turmhelm fehlte schließlich das Geld. Da sich die Renovierung länger hinzog als geplant, wurden die Konfirmandinnen und Konfirmanden in Gustavsburg konfirmiert. Die übrigen Gottesdienste fanden, wie schon 33 Jahre zuvor, im Saal von Gastwirt Wiesenecker statt. Am 8. September 1935 erfolgte die Einweihung. Ein Blick in die Chronik...

Ab 1941 kam fast das gesamte Gemeindeleben zum Erliegen. Pfarrer Heddaeus stellte gegen Ende des zweiten Weltkriegs fest, dass der Gottesdienstbesuch alles zu wünschen übrig ließ. Vor allem die Männer und die Jugend fehlten. Schuld daran war seiner Ansicht nach nicht nur der Krieg, sondern vor allem die unterminierende Arbeit des Nationalsozialismus. So stellte sich z. B. der Bischofsheimer Ortsgruppenleiter sonntags vor die Kirche und schrieb alle Leute auf, die den Gottesdienst besuchen wollten. Viele Erwachsene ließen sich nicht beirren, aber Kinder und Jugendliche fürchteten den Druck. Der Anteil der Jugend am Gottesdienstbesuch ging in nur 2 Jahren um 16% zurück. In den Jahren 1939 bis 1942 erfolgten über 100 Austritte. Man ließ seine Kinder nicht mehr taufen, Paare unterließen die kirchliche Trauung.
Während der Luftangriffe wurde neben zahlreichen anderen Gebäuden auch die Kirche schwer beschädigt.

1946/54 wurden die im Krieg entstandenen Schäden behoben. Die politische Gemeinde ließ das Dach neu decken, die Umgebung neu gestalten, die Freitreppe anlegen und den Bürgersteig mit Platten belegen. Die Kosten beliefen sich auf 5000 DM.

"Weg mit dem alten Plunder!"

Altarraum
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Im Jahr 1957 wurde durch eine Vergrößerung der Gemeinde eine Erweiterung der Kirche notwendig. Eine äußere Vergrößerung kam aus Denkmalschutzgründen nicht in Frage. So musste durch inneren Umbau der nötige Raum geschaffen werden. Hierfür wurden nach den Plänen von Architekt Benner, Wiesbaden, folgende Baumaßnahmen durchgeführt:

Die alte Turmkonstruktion wurde durch eine neue Stahlkonstruktion abgefangen, die Treppen unter dem Turm beseitigt und eine neue Treppe zu den Emporen, außerdem eine Toilette mit Waschraum, an der Nordwestseite des Turmes angebaut. Die vorhandene Empore wurde verbreitert und das gesamte Gestühl auf den Emporen durch Klappsitze erneuert. Der Lehrerstuhl wurde beseitigt, an seiner Stelle kam der neue Taufstein. Insgesamt wurden 100 neue Sitzplätze geschaffen.

Ein völlig verändertes Erscheinungsbild bekamen auch die Kirchenfenster. Zwar blieb unsere Kirche während der Luftangriffe des 2. Weltkrieges von Zerstörung weitgehend verschont, die Glasfenster des Kirchenraumes allerdings hatten durch Druckwellen Schaden genommen. Das barocke Bauwerk hat wohl nie über besonders gestaltete Fenster verfügt. Alte Fotos - wie etwa eine Postkarte aus den 30-er Jahren - zeigen einfache Glasscheiben, die so gefasst waren, dass die Fensterform nachgebildet wurde.

Im Zuge der Innenrenovierung 1959 wurden die Fensterflächen komplett erneuert und die geometrische Aufteilung mit Buntglas gefüllt. Zur Finanzierung der Fenster trugen die gemeindlichen Gremien, aber auch Handwerksbetriebe, Ärzteschaft und viele Gemeindeglieder mit ihren Spenden bei - wie heute noch in den Fenstern zu lesen ist. Das Rundfenster über dem Haupteingang zeigt das Wappen Schlesiens und erinnert damit an die vielen Vertriebenen, die nach 1945 nach Bischofsheim kamen und ebenfalls ihren Teil zur Neugestaltung der Kirche beitrugen.

Der ehemals flache Turm erhielt einen 14 m hohen Turmhelm mit dem restaurierten Wetterhahn. Die Gesamthöhe des Turms beträgt 34 m. Außerdem erhielt der Turm auf der Westseite ein neues Fenster und die Kirche neue Beleuchtungskörper. Eine Heißluftumwälzheizung, die mit Öl oder Kohle befeuert werden konnte, sorgte für gute Beheizung.

Bei den Arbeiten wurden mehrere Gräber im Boden der Kirche freigelegt, darunter auch das des Eckardus Spar von Ortenberg, dessen bemerkenswerte Grabplatte aus rotem Sandstein heute an der rechten Seitenwand des Alttaraumes angebracht ist. Vermutlich handelt es sich bei den Gräbern um Ruhestätte vorreformatorischer Pfarrer, so vermutet es zumindest die Pfarrchronik.

Altar, Taufstein und Kanzel wurden aus Lahnmarmor neu gefertigt und ein neues Altarkreuz angeschafft. Die Kosten betrugen rund 100.000 DM, von denen die politische Gemeinde 30.000 DM Ablösung zahlte, 30.000 DM wurden durch Spenden aufgebracht, der Rest durch ein Darlehen und einen Zuschuß der Gesamtkirche. Die Gottesdienste fanden während der Renovierungszeit im Gemeindesaal statt. Die Einweihung der Kirche erfolgte am 17. November 1957.

"In gelbem Make up"

Kirche 1968
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Im September 1968 wurden umfassende Renovierungsarbeiten an der Außenfassade beendet und die Kirche präsentierte sich in "neuem" Barockstil. Zunächst waren die Grundmauern rings um die Kirche isoliert worden, da die Feuchtigkeit fast über drei Meter im Mauerwerk hoch gezogen war. Anschließend erhielt die Fassade einen gelblichen Anstrich, die Pilaster wurden Sandsteinfarben gestrichen. Auf 30.000 DM waren die Kosten veranschlagt, fielen aber wohl höher aus. Lediglich 5000 DM an Spenden und Kollekten konnte die Kirchengemeinde selbst dafür aufbringen, denn drei zuvor war erst eine neue Orgel angeschafft worden, die die Finanzen der Gemeinde auf einen Nullpunkt gebracht hatte. Den Rest musste die Kirchenverwaltung in Darmstadt tragen.

Im Sommer 1983 wurde die Umwälzheizung durch eine modernere Ölheizung ersetzt, wodurch nicht nur die Heizkosten gesenkt wurden, sondern auch die Verschmutzung von Orgel und Kirchenraum gebremst wurde. Dazu waren umfangreiche Arbeiten notwendig: Die Luftschächte der alten Heizung wurden stillgelegt, unter jeder Sitzbank Radiatoren angebracht und entsprechende Leitungen in den Wänden und Fußböden verlegt.

Der Pilz macht's!

Kirche 1968
Lupe
Im Herbst 1991 standen wieder einmal Dacharbeiten an. Doch schon wenig später stellte sich heraus, daß das Dach- und Deckengebälk sowie Teile des Mauerwerks durch Schwamm- und Pilzbefall morsch geworden waren.

Die Eichenträger waren auf einer Länge von mehreren Metern in den Chorraum und hinauf in Richtung Dachfirst zerfressen. Teile der Dachbalken mußten herausgesägt und durch neue Stücke, die mit dem gesunden Altholz verbunden wurden, ersetzt werden.

Durch die Behebung der Schäden an Dachstuhl, Decke und Mauerwerk wurde auch eine komplette Innenrenovierung, bis dato von der Kirchenverwaltung als nicht so dringlich eingestuft, unausweichlich.

Dabei wurden die Deckengemälde gesäubert und restauriert, ebenso der barocke Orgelprospekt. Im Seitenschiff wurde durch die teilweise Entfernung des Gestühls und Anbringung Glas gefächerter Trennwände ein Eingangsbereich geschaffen. Das Kircheninnere wurde farblich, unter denkmalpflegerischem Aspekt, neu gestaltet. Außerdem wurde die gesamte marode Elektrik und die elektro-akustische Anlage ausgetauscht. Schlichte Wandlampen, im Stil zwar modern, von der Form aber die Rundungen der Fenster aufnehmend, sowie kleine, in die Emporendecke eingelassene Strahler, erlauben eine vielseitige Ausleuchtung des Kirchenraumes zu den unterschiedlichen Anlässen.

Mit der Anschaffung eines Gestells für die Taufschale, angefertigt von dem Mainzer Kunstschmied Gradinger, der später auch den Leuchter für die Osterkerze fertigte, wurde der Marmorsockel aus den fünfziger Jahren abgerissen. Bei Taufgottesdiensten kann nun das Taufbecken wieder an seinen ursprünglichen Ort in der Mitte zwischen Gemeinde und Altar aufgestellt werden.

Die Baukosten, ursprünglich auf 350.000 DM kalkuliert, beliefen sich am Ende auf etwa 1,5 Millionen DM. Insgesamt war die Kirche über zwei Jahre geschlossen, bis sie am 31. Oktober 1993 wieder eingeweiht wurde.

Die Gottesdienste fanden in dieser Zeit im Gemeindesaal statt, Festgottesdienste in der katholischen Christ-Königs-Kirche, unter anderem auch - wohl einmalig in der Geschichte unserer Landeskirche - die Ordination von Pfarrvikarin Britta Schütz.

Neue Paramente

Das weiße Parament
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Noch vor den umfangreichen Renovierungsarbeiten Anfang der neunziger Jahre hatte der Kirchenvorstand die Neuanschaffung der Paramente beschlossen, da die aus den fünfziger Jahren stammenden, sehr einfachen Altar- und Kanzelbehänge unansehnlich geworden waren.

Als erstes wurden daraufhin bei der Darmstädter Paramentenwerkstatt neue weiße Paramente in Auftrag gegeben, die ganz und gar in Sticktechnik gefertigt wurden.

Das Altartuch zeigt in der Mitte das Christusmonogramm, die beiden griechischen Buchstaben, mit denen das Wort "christos" beginnt. Der weisse Untergrund besteht aus Bögen, die an das geöffnete Grab aus der Ostergeschichte erinnern, sowie Wellenlinien, die ein Symbol für die Ewigkeit sind.

Nachdem die Innenrenovierung dem Kirchenraum aber eine neue Farbcharakteristik verliehen hatte, waren die vorhandenen Pläne für die weitere Erneuerung der Paramente hinfällig. Zusammen mit der Paramentenwerkstatt in Darmstadt wurde daraufhin ein ganz neues Konzept entwickelt, das auf die weiteren drei Paramente Anwendung fand.

Das Altarparament wurde schmäler gehalten und durch zwei seitliche Schals im jeweiligen Grundton ergänzt. Auf ein Kanzelparament wurde verzichtet, stattdessen erhielt das Lesepult der Kanzel eine einfache Blende - ebenfalls im Grundton.

Die Paramente sind in Applikationstechnik gefertigt. Aus unterschiedlichen Seidenstoffen, durch Stickereien ergänzt, sind die drei symbolischen Motive gestaltet:

Das violette Parament, dass in der Advents- und Passionszeit den Altar schmückt, nimmt in seiner symbolischen Darstellung das adventliche Motiv vom Weg (Jesaja 40,3) auf. Darüber liegen angedeutete Dornen, die an die Dornenkrone erinnern.

Das rote Parament wird vor allem an Pfingsten, aber auch zu besonderen kirchlichen Anlässen, wie Kirchweih oder Konfirmation aufgelegt. Die Feuerzungen erinnern an die Pfingstgeschichte (Apostelgeschichte 2), in der Feuerzungen als Symbol der Verleihung des Heiligen Geistes vorkommen.

Das grüne Parament wird in den sogenannten "ungeprägten" Zeiten des Kirchenjahres, also der Epiphanias- und Trinitatiszeit aufgelegt.

Da das Kirchenjahr seit jeher auch eine pädagogisch-verkündigende Funktion hat, durch dessen Einteilung den GottesdienstbesucherInnen die christliche Botschaft nahe gebracht werden soll, um so ein "Wachstum im Glauben" zu fördern, taucht auf den grünen Paramenten neben symbolischen Anspielungen auf das Abendmahl häufig das Motiv des Wachsens auf. So auch hier in der Darstellung wachsender Halme und Blätter.

Ein großes Magnetfeld

Der Altarraum
Lupe
Den Anstoß gaben zwei hörgeschädigte Konfirmanden: Sie zum Gottesdienst verdonnern, ohne dass sie gut zuhören können, das ging nicht. So wurde im Sommer 2005 der Einbau einer Induktionsschleife angegangen. Am Anfang stand die Beratung durch Hans-Gunther Seifert von der Schwerhörigen-Seelsorge der EKHN in Darmstadt - Voraussetzung für die spätere Gewährung eines Zuschusses. Gemeinsam mit Herrn Kaul von der Fachfirma KKSL aus Groß-Gerau wurde nach der besten Möglichkeit des Einbaus gesucht. Dabei stand die Idee im Hintergrund einen möglichst großen Teil der Kirchenbänke zu umfangen, um den Betroffenen die freie Platzwahl zu belassen und bei größeren Gottesdiensten keine Reservierungen vornehmen zu müssen.

Konnte das Kirchenschiff größtenteils an der Hinterkannte der Unterseite der Empore mit einem Kabelkanal umschlossen werden, so bereitete der Altarraum zunächst Probleme, galt es doch den empfindlichen Sandsteinboden möglichst unbeschädigt zu lassen. Die Bischofsheimer Steinmetzfirma Astheimer-Mende stemmte dann fachgerecht einen Schlitz in eine Fuge und verschloss sie nach Verlegung des Kabels wieder entsprechend. Die Malerfirma Haus stellte dann an den Seitenwänden des Altarraums den urspürnglichen Zustand wieder her. Für die Arbeiten wurden die Sommerferien genutzt, in der die Kirche durch die "Sommerkirche in der Mainspitze" nicht so häufig genutzt wird. Die Kosten beliefen sich auf rund 3.000 €.

Wieder dicht!

Kirchentüren
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Der Zahn der Zeit macht auch nicht vor den dicksten Kirchentüren halt. So waren mit den Jahren in den Fachungen der drei Außentüren immer mehr und immer größere Risse aufgetreten, durch die Wind Und Regen Einlass fanden.

Noch rechtzeitig vor dem Winter wurden deshalb im Oktober 2009 die Fachungen erneuert. Die Firma Munk aus Hochheim führte die Arbeiten aus und fertigte neue Fachungen aus Eichenholz. Die Bischofsheimer Firma Haus, die auch schon bei der Innenrenovierung 1993 tätig war, sorgte für den fachgerechten Anstrich.

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Möchten Sie mehr erfahren über unsere Kirche? Dann lesen Sie auch den Artikel über unsere Deckengemälde: Weiter >>

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Mit Unterstützung der Volksbank Mainspitze eG ist ein 36-seitiger Kirchenführer erschie- nen, der über die Geschichte und die Bedeutung der Kirche und ihrer Ausstattung informiert.

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Gemeinde in der EKHN
EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE BISCHOFSHEIM
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