Logo

Evangelische Kirchengemeinde Bischofsheim

Inhalt ausblenden | Inhalt einblenden

((( Glockenschlag )))

Der aktuelle Wochenkommentar

09. Februar 2017

"Dagegen" ist nicht genug!

(Wahrscheinlich) kennen Sie den!?

Die Frau kommt sonntags aus dem Gottesdienst, fragt sie der Mann, worüber der Pfarrer gepredigt habe. "Über die Sünde", lautet die Antwort. "Und, was hat er gesagt?" "Er war dagegen!"

Man kann nur hoffen, dass das nicht das Einzige war, was dem Pfarrer dazu eingefallen ist, aber - ja - auch Predigerinnen und Prediger sind nicht davor gefeit, im Negativen zu verharren. Schon deshalb nicht, weil es dafür durchaus biblische Vorlagen gibt. Nehmen wir nur die "10 Gebote": 9 von 10 beginnen mit der negativen Einleitung "Du sollst nicht…" - und belassen es dabei.

Da ist es fast schon wohltuend, im Jahr des Reformationsjubiläums mal wieder Martin Luther Kleinen Katechismus hervor zu holen und sich seine Erklärungen zu vergegenwärtigen. Der Reformator belässt es nämlich nicht bei den Negativsätzen, sondern findet für jedes Gebot auch eine positive Formulierung. Damit es er pädagogisch seiner Zeit meilenweit voraus. Noch Jahrhunderte später bestand Kindererziehung - trotz Luthers alternativem Ansatz - nur allzu oft fast ausschließlich aus einer Pädagogik der Verbote verbunden mit entsprechenden Sanktionen. "Schwarze Pädagogik" nennt man das und die ist bis heute noch nicht ausgerottet. Die entsprechenden Beispiele kann man tagtäglich auf der Straße erleben: Eltern, die ihren Kindern nur mit Negativsätzen entgegen treten und ihnen in Worten, Tonfall, Mimik und Körpersprache alles vermitteln, nur nicht dass sie geliebt, akzeptiert und aufgehoben sind. Dass die darauf Kinder unwillig, enttäuscht oder auch aggressiv reagieren, ist nun wirklich kein Wunder, nützt ihnen aber nichts, weil die Eltern darauf ja nur wieder negativ reagieren, anstatt zu kapieren, dass sie mit ihrem Verhalten die Kinder im Stich lassen, sich von ihnen distanzieren.

Und was im Umgang mit Kinder gilt, das gilt in gewisser Weise auch im gesellschaftlichen Miteinander: Wo Politik sich nur noch als Reparaturbetrieb für Fehlentwicklungen begreift und darauf verzichtet konkrete und nachvollziehbare positive Ziele für eine Gesellschaft zu formulieren und zu verfolgen, da muss man sich nicht wundern, wenn Teile der Wählerschaft unwillig, enttäuscht und aggressiv reagieren und sich jenen zuwenden, die offensiv negative Ziele formulieren: Wenn schon, denn schon!

Nur das eben auch da gilt: "Dagegen" ist nicht genug. Es reicht eben nicht zur Lebens- und Weltgestaltung, wenn man nur "gegen" die EU, "gegen" den Euro, "gegen" die Globalisierung, "gegen" Flüchtlinge und Ausländer ist. Das wird spätestens dann deutlich, wenn die "Dagegen"-Populisten ihr "Dagegen"-Pulver verschossen haben. Es war doch kein Zufall, dass ausgerechnet jener Hetzer für den Austritt Großbritanniens aus der EU, Nigel Farage, unmittelbar nach der aus seiner Sicht positiven Volksabstimmung von seinen politischen Spitzenämtern zurück getreten ist. Mehr als "dagegen" hatte er offenbar nicht zu bieten und das wäre nach dem Brexit-Votum mehr als deutlich geworden. Den Scherbenhaufen überlässt er lieber anderen. Und Theresa May kann einem schon fast leidtun, wie sie nun mehr oder weniger krampfhaft versucht das Negativ-Desaster in irgendetwas Positives zu überführen, ohne dass sie oder sonst jemand wüsste, wie genau das aussehen soll! Und man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass das bei den anderen europäischen "Dagegen"-Protagonisten nicht viel anders aussehen wird, wenn sie denn an die Macht kommen.

Denn: "Dagegen" ist nun mal nicht genug!

In Goethes Faust stellt sich Mephisto mit gutem Grund als "der Geist, der stets verneint" vor, denn wer immer nur verneint, ist in Wahrheit destruktiv, zerstörerisch und ergötzt sich letztlich an den selbst herauf beschworenen Katastrophen, als Bestätigung seiner selbst. Gegenwärtig - so scheint es - schwebt dieser Geist hydragleich durch die Welt und findet ausreichend "Tore", die sich ihm - wie jener Dr. Faust - öffnen: Autokraten und Despoten, die die Klaviatur des Negativen perfekt beherrschen und die Massen hinter sich versammeln. Dass sich aber mit Feindbildern keine Lebensverhältnisse auf Dauer verbessern lassen, ist eine Lektion, die gerade wir Deutschen eigentlich gelernt haben sollten.

Soviel jedenfalls ist klar: Diejenigen, die ihre "Dagegen"-Parolen mit der Verteidigung des christlichen Abendlandes begründen, haben von eben jenem "christlichen" überhaupt nichts kapiert. "Christlich" im Sinne der Botschaft Jesu nämlich bedeutet eben nicht beim Negativen stehen zu bleiben, sondern eine positive, zuversichtliche und zugewandte Sicht des Nächsten und der Welt zu gewinnen.

Es grüßt Sie herzlichst
Ihr Pfr. Klaus Bastian

Leiste

Information:

Logo

Der (((Glockenschlag))) erscheint in der Regel wöchentlich auf der Seite "Kirche in der Mainspitze" der Wochenzeitung "LOKALANZEIGER" und wird von den PfarrerInnen und SeelsorgerInnen in der Mainspitze geschrieben. Die evangelischen Beiträge erscheinen auch auf der Seite des Evangelischen Dekanats Groß-Gerau - Rüsselsheim.

Wir veröffentlichen hier nur die Beiträge aus unserer Gemeinde. Die Rechte liegen bei den Autoren.

Gerne erteilen wir auf Anfrage auch die Genehmigung zum Abdruck in anderen Zeitungen oder Medien.

Weitere Infos:

Klaus Bastian

Klaus Bastian
Pfarrer

Keltenweg 8
65474 Bischofsheim

Tel.: 06144-42872
Email: siehe Kontakt

Seit 1983 Pfarrer in Bischofsheim und zur Zeit mit den Schwerpunkten Öffentlichkeitsarbeit, Kindergottesdienst und Diakonie betraut.

Zurück

Übrigens:

Vieles in unserer Kirchengemeinde wäre nicht möglich ohne die finanzielle Absicherung durch unsere Stiftung.
Hier erfahren Sie mehr ...

www.stiftung-kirche-fuer-sie.de

Leiste

Gemeinde in der EKHN
EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE BISCHOFSHEIM
Diese Seite arbeitet mit JavaScript
© 2015 Klaus Bastian

Darmstädter Straße 6 - 65474 Bischofsheim
Tel: 06144-7430 - FAX: 06144-94427
Email-Kontakt
ViSdP: Klaus Bastian

Die Evangelische Kirchengemeinde bei Facebook FACEBOOK | IMPRESSUM | SITEMAP